142 Tage Wartezeit auf Therapie: Warum das System überlastet ist

Wer in Deutschland psychotherapeutische Hilfe sucht, wartet durchschnittlich 142 Tage – fast 5 Monate – auf einen Behandlungsplatz. Gleichzeitig können tausende ausgebildete Psycholog:innen nicht therapeutisch arbeiten, weil ihnen die Approbation fehlt.
Zwei Probleme, die zusammenhängen – und die zeigen, warum neue Ansätze in der psychologischen Versorgung notwendig sind.
Das Wartezeitproblem: 142 Tage bis zur Behandlung
Laut der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) warten Patient:innen in Deutschland durchschnittlich 142,4 Tage zwischen dem Erstgespräch und dem Beginn einer Psychotherapie.
Das bedeutet: Fast 5 Monate, in denen Betroffene ohne professionelle Unterstützung bleiben – obwohl sie bereits aktiv Hilfe gesucht haben.
Wie setzt sich die Wartezeit zusammen?
Die Wartezeit gliedert sich in mehrere Phasen:
- Therapeutensuche: Viele Absagen, schlechte Erreichbarkeit
- Wartezeit auf Erstgespräch: Ca. 6 Wochen
- Probatorische Sitzungen: 2-5 Termine zur Abklärung
- Antrag bei der Krankenkasse: 3-5 Wochen Bearbeitung
- Wartezeit auf Therapieplatz: Ca. 20 weitere Wochen
Eine differenzierte Analyse der Wartezeiten bietet der vdek (Verband der Ersatzkassen).
Warum ist das problematisch?
Psychische Belastungen warten nicht. Ohne rechtzeitige Behandlung können sich Symptome verschlimmern oder chronifizieren. Besonders für Menschen in akuten Krisen sind 5 Monate Wartezeit keine Option.
Die aktuelle Situation in der psychotherapeutischen Versorgung beschreibt auch ein Bericht der taz (2025).
Studierende und junge Erwachsene besonders betroffen
Die psychische Belastung bei jungen Menschen ist hoch. Der TK-Gesundheitsreport 2023 zeigt alarmierende Zahlen für Studierende und junge Erwerbstätige:
| Symptom | Anteil Betroffener |
|---|---|
| Erschöpfung durch Stress | 68% |
| Konzentrationsstörungen | 53% |
| Schlafprobleme | 43% |
Diese Zahlen verdeutlichen: Der Bedarf an psychologischer Unterstützung ist gerade bei jungen Erwachsenen enorm – aber das Angebot kann die Nachfrage nicht decken.
Das Ausbildungsproblem: Psycholog:innen ohne Arbeitserlaubnis
Parallel zum Versorgungsengpass existiert ein zweites Problem: Viele qualifizierte Psychologie-Absolvent:innen dürfen gar nicht therapeutisch arbeiten.
Warum ist das so?
In Deutschland ist der Titel "Psychotherapeut:in" geschützt. Um eigenständig Psychotherapie durchführen zu dürfen, benötigt man eine Approbation – und die erfordert nach dem Psychologie-Studium eine mehrjährige, kostspielige Zusatzausbildung.
Das Problem dabei:
- Lange Ausbildungsdauer: Die Ausbildung zur/zum Psychotherapeut:in dauert nach dem Studium weitere 3-5 Jahre
- Geringe oder keine Vergütung: Viele Ausbildungsabschnitte sind schlecht bezahlt oder komplett unvergütet
- Hohe Kosten: Die Ausbildung kann bis zu 20.000-50.000 Euro kosten
- Begrenzte Plätze: Nicht alle Absolvent:innen bekommen einen Ausbildungsplatz
Das Bundesgesundheitsministerium hat das Problem erkannt und 2019 eine Reform beschlossen. Die Umsetzung läuft jedoch noch.
Was bedeutet das konkret?
Es gibt tausende Menschen mit abgeschlossenem Psychologie-Studium (Bachelor und Master), die fachlich qualifiziert sind – aber keine Therapie anbieten dürfen, solange sie die Approbation nicht haben.
Die Situation der Nachwuchs-Therapeut:innen beschreiben:
- ZDF (2024): Psychotherapeuten-Nachwuchs und Ausbildungsreform
- FAZ (2023): Traumberuf Psychotherapeut – Psychologie-Studenten stehen vor einem Problem
Zwei Probleme, eine Verbindung
Die beiden Problemfelder hängen zusammen:
- Auf der einen Seite: Millionen Menschen, die auf psychologische Unterstützung warten
- Auf der anderen Seite: Tausende qualifizierte Psycholog:innen, die nicht arbeiten dürfen
Dieses strukturelle Missverhältnis ist einer der Gründe, warum wir Psychofit gegründet haben.
Der Ansatz von Psychofit
Psychofit bietet psychologische Beratung – keine Psychotherapie. Der Unterschied ist wichtig:
| Psychologische Beratung | Psychotherapie | |
|---|---|---|
| Ziel | Prävention, Orientierung, Alltagsbewältigung | Behandlung psychischer Erkrankungen |
| Voraussetzung | Keine Diagnose nötig | Diagnose erforderlich |
| Durchführung | Psycholog:innen (B.Sc./M.Sc.) | Approbierte Psychotherapeut:innen |
| Wartezeit | Kurzfristig verfügbar | Durchschnittlich 142 Tage |
Wie funktioniert das Psychofit-Modell?
- Qualifizierte Berater:innen: Mind. B.Sc. Psychologie, häufig im Master Klinische Psychologie
- Durchgängige Supervision: Durch approbierte Psychotherapeut:innen mit Kassenzulassung
- Online-Format: Flexible Beratung via Video
- Kurzfristig verfügbar: Termine oft innerhalb weniger Tage
Damit schaffen wir eine Möglichkeit für zwei Gruppen:
- Menschen, die Unterstützung suchen – ohne monatelang warten zu müssen
- Psychologie-Absolvent:innen – die ihre Qualifikation sinnvoll einsetzen können, während sie auf die Approbation hinarbeiten
→ Mehr zur wissenschaftlichen Einordnung des Psychofit-Modells
Quellen
- BPtK (2022). Psychisch Kranke warten 142 Tage auf eine psychotherapeutische Behandlung. Pressemitteilung
- vdek (2023). Analyse: Wartezeiten Psychotherapie. Artikel
- taz (2025). Bessere psychische Versorgung. Artikel
- TK (2023). TK-Gesundheitsreport 2023. Pressemitteilung
- BMG. Psychotherapeutenausbildung. Informationsseite
- ZDF (2024). Psychotherapeuten-Nachwuchs: Ausbildungsreform und Mangel. Artikel
- FAZ (2023). Traumberuf Psychotherapeut: Psychologie-Studenten stehen vor einem Problem. Artikel